Was ist eine Kindeswohlgefährdung?

Der Begriff "Kindeswohlgefährdung" als solches ist schwer zu definieren.  Er wird zwar an unterschiedlichen Stellen bei der gesetzlichen Regelung verwendet, wird jedoch an keiner Stelle genau erörtert. Hier kommen wir genau an den Punkt, der auch Fachleute verunsichert.  Um den Begriff KWg (Kindeswohlgefährdung) klarer zu bestimmen, helfen sozoalwissenschaftliche Definitionen weiter, welche entwicklungspsychologische Erkenntnisse als Grundlage haben, oder aber gerichtliche Entscheidungen, welches sich ebenfalls mit dem Thema "Kindewohl" beschäftigen.

 

In Fällen wo Kinder die schwer sexuell missbraucht wurden, welche gefährlichen Mangel erleiden (z.B. an Nahrung) oder durch schwere Verletzungen in Ihrer Entwicklung leiden, ist die Frage "ob oder ob nicht" klar.  Wie sieht es jedoch in Fällen aus, wo es nicht so eindeutig ist?

 

Nehmen wir einmal ein Bsp.:

 

" Hanna, 7 Jahre jung, ist äußerlich unversehrt, wird gut versorgt, leidet jedoch extrem unter den extremen autoritären Erziehungsmaßnahmen ihres ElternTeils, welche überhöhte Leistungsforderung an die Tochter richtet und diesen auch mit Ohrfeigen Nachdruck verleiht, sofern Hanna nicht den Anforderungen entspricht!"

 

Wäre das schon eine KWG? Kann man Hannas ElternTeil "zwingen" ihr Erziehungsverhalten zu ändern oder ist dies zwar keine wünschenswerte Erziehung, jedoch hinzunehmen? Anhand dieses Bsp. kann man sehr gut erkennen, das die Sachlage nicht immer offensichtlich ist. Anfangen zu definieren kann man hier über die Begriffe "Kindeswohl" und "KWG" in Bezug auf "Kindliche Grundbedürfnisse". Denn eine KWG stellt zeitgleich auch eine schwerwiegende Nichtbeachtung bzw. Verletzung der kindlichen Grundbedürfnisse dar.

 

Welche Grundbedürfnisse haben Kinder und Jugendliche?

Sowohl die UN- Kinderrechtskonvention als auch das Grundgesetz formulieren den Anspruch eines Kindes, sich zu einer emotional stabilen, eigenständigen und sozialverantwortlichen Persönlichkeit entwickeln zu dürfen. Kinder & Jugendliche haben ein Recht auf eine gute individuelle, personale und soziale Entwicklung.

 

Diese lassen sich in der ersten Kategorisierung in drei übergeordnete Bereiche einteilen (Wiesner, 2006, in: Kinder et al.,2006, Kap.1)

 

Bedürfnis nach Wachstum: Kognitive, emotionale, ethische und soziale Anregungen und Erfahrungen. Um sich aktiv und selbst motiviert mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen, braucht das Kind Anregungen um so für sein späteres Leben zentrale Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden zu können. 

 

Bedürfnis nach sozialer Bindung: Durch Nähe, Empathie, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit müssen liebevolle und verlässliche Beziehungen zu erwachsenen Bezugspersonen stattfinden. Beziehungen zu gleichaltrigen spielen im zunehmenden Alter ebenso eine wichtige Rolle.

 

Bedürfnis nach Existenz: Zum Leben und Überleben eines Kindes ist dies die wichtigste Voraussetzung. Hierzu zählen Bereiche wie "körperliche Unversehrtheit des Kindes/Jugendlichen" , "Sicherheit des Kindes/Jugendlichen" und "und Versorgung des Kindes/Jugendlichen"

 

 

Deutsche Jugendinstitut hat eine detaillierte Übersicht entwickelt

um die kindlichen Grundbedürfnisse, die als erster Orientierungsrahmen zur Bewertung eines Einzelfalls bzgl. der Frage ob das KWG gefährdet ist veranschaulichen zu können.  Diese Systematik ist deutlich an Maslows Bedürfnispyramide angelehnt. Hier werden folgende kindliche Grundbedürfnisse unterschieden:

Seltbstverwirklichung: Soziale, kognitive, emotionale und ethische Erfahrungen durch altersentsprechende Anregungen, Vermittlung von Werten und Normen, Spiel und Leistung, Umwelterfahrung, Gestaltung sozialer Beziehungen, Sprachanregung, Grenzsetzung und Förderung von Motivationen.

 

ICH-Motive: Wertschätzung, Respekt vor physischen, psychischen und sexueller Unversehrtheit. Respekt vor der Person und ihrer Individualität. Anerkennug der altersabhängigen Eigenständigkeit.

 

Soziale Motive: Konstante Bezugspersonen, einfühlendes Verständnis, Zuwendung, Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und emotionale Verlässlichkeit.

 

Sicherheitsmotive: Wetterangemessene Kleidung, Schutz und Sicherheit, Aufsicht, Schutz vor Bedrohung und Krankheiten innerhalb sowie ausserhalb des Hauses.

 

Physiologische Bedürfnisse: Trinken, Essen, Schlaf, Körperpflege, Wach- und Ruherhythmus, Körperkontakt und Gesundheitsfürsorge.

 

Somit ist der Begriff KWG schon etwas genauer "umrissen"...

Jede KWG ist eine Verletzung der genannten kindlichen Grundbedürfnisse. Jedoch ist auch noch nicht jede genannte Missachtung der Grundbedürnisse eine KWG.

Hierzu zählen meist mehr dieser Faktoren. Im Verdachtsfall einer KWG ist es somit immer sinnvoll Abschätzungen vorzunehmen, inwieweit die Grundbedürfnisse ebenso wie die Grundrechte des Kindes/Jugendlichen erfüllt sind.  Dieses Schema dient also um einen "ersten Eindruck" zu ermöglichen.

Kontakt

VKSG@outlook.de